Zeitungsartikel

erschienen im Wochenende Rhein-Erft-Kreis am 24.08.2011

Sommelier statt Stripperin

Für Arnd-Axel Rosenbaum ist ein Bier viel mehr als nur ein Getränk zum Durst löschen

 Foto: Lars Kindermann

Ein echtes Jahrgangsbier zum Abschluss: Mit einem Gouden Carolus Cuvee van de Keizer - Rood (Jahrgang 2009) von der Traditionsbrauerei Het Anker verabschiedet Biersommelier Arnd-Axel Rosenbaum einen, um einige Bier-Erfahrungen reicheren, Wochenende-Redakteur.
 
von Lars Kindermann 
Frechen-Hücheln. Für den üblichen Biertrinker ein Graus, für Arnd-Axel Rosenbaum das reinste Vergnügen: Der ausgebildete Biersommelier trinkt sein Bier auch gerne mal lauwarm! Nur so kann er das volle Geruchs- und Geschmacksspektrum eines neuen Bieres erfassen. "Gut gekühlt schmeckt und riecht ein Bier ganz anders, als bei Zimmertemperatur", erklärt der 47-Jährige aus Frechen-Hücheln. Ein kühles, belgisches Bier im Hollandurlaub hat ausgereicht, um ihn mit dem "Bier-Virus" zu infizieren! "Ich habe auch vorher Bier getrunken, aber das Bier so facettenreich und außergewöhnlich gut schmecken und riechen kann, das habe ich erst gemerkt, als ich belgische Biere kennen gelernt habe." Seit etwa 15 Jahren dreht sich bei dem kaufmännischen Angestellten fast alles um das alkohol- und kohlensäurehaltige Getränk aus Malz, Hopfen, Hefe und Wasser. Rosenbaum: "Ich habe Brauereien besucht, viele Bücher über Bier gelesen, im Internet recherchiert und natürlich jede Menge verschiedene Biere ausprobiert." Höhepunkt seiner bisherigen 'Bier-Karriere' war eine zweiwöchige Ausbildung zum Biersommelier an der Doemens Brauakademie in München-Gräfelfing, die er mit Auszeichnung abschloss. "Das war schon ganz schön seltsam, als einziger Laie mit den ganzen Braumeistern und Gastronomen die Schulbank zu drücken", erinnert er sich. Um sich auf den gleichen Wissenstand wie seine Klassenkameraden zu bringen, musste der Hobby-Bier-Experte innerhalb kürzester Zeit jede Menge Theorie aufholen. Seine "große Stunde" schlug bei der Degustation - der Verkostung und Präsentation von Bieren! Rosenbaum: "Der ein oder andere Brauer kannte nur sein Bier und konnte mit den vielschichtigen belgischen, US-amerikanischen, englischen und italienischen Bieren nicht viel anfangen." Für den Frechener eröffneten sich aber ganz neue Geschmackswelten. "Das Deutsche Reinheitsgebot liegt wie ein Riesenballast auf den deutschen Brauereien, es engt die Kreativität der Brauer unheimlich ein", ist Rosenbaum überzeugt. In belgischen Bieren würden hingegen auch Zucker, Honig, getrocknete Orangenschalen, Koriander-Samen und andere Gewürze verarbeitet. Rosenbaum: "Das Vorurteil: In belgischen Bieren sei Chemie, ist vollkommen unbegründet." Ganz stark im Kommen seien US-amerikanische Spezialbiere. Der amerikanische Biermarkt habe sich nie richtig von den Folgen der Prohibition - dem Verbot von alkoholhaltigen Getränken (1920-1933) - erholt. Nach 13 Jahren Brauverbot seien die meist von englischen, irischen und deutschen Einwanderern geführten Brauereien verschwunden. Die Bierproduzenten hätten wieder bei Null anfangen müssen. Rosenbaum: "Daher schmeckt das Bier aus den verschiedenen US-Großbrauereien fast gleich!" In den letzten Jahren habe sich aber eine riesige Bier-Szene in den USA entwickelt. Über 1.000 Klein- und Kleinstbrauereien - sogenannte "Homebrewer" - würden ganz außergewöhnliche Biere brauen. Derzeitiger Trend: extrem gehopfte, also besonders bittere Biere. "Die Bittere in einem Bier wird durch International Bitter Units - sogenannte IBUs - bestimmt. In Deutschland gehört das Jever Pils zu den bittersten Bieren - es hat heute etwa 38 IBUs - früher waren es 45. In Amerika werden Biere gebraut, die haben 100 und mehr IBUs". Für experimentierfreudige Bierfreunde hat der Biersommelier daher auch eine Bierverköstigung mit dem Namen "Made in USA" in sein Repertoire aufgenommen. Etwa einmal im Monat präsentiert der 47-Jährige Biere in größerer Runde. "Wichtig dabei ist, dass keiner der Teilnehmer danach noch Autofahren muss", warnt Rosenbaum. Um ein Bier vollends zu schmecken, muss es heruntergeschluckt werden. "Die Bittere schmeckt man erst im Rachen, da ist es fürs Ausspucken schon zu spät." Daher begleitet ihn bei "Außenterminen" immer seine Frau Marita, die durch die vielen Brauereibesuche und Verköstigungen schon selber eine Bier-Expertin ist. Neben der Verköstigung von US-Bieren bietet Rosenbaum Degustationen mit klangvollen Namen wie "Belgische Bierreise", "Feuerwerk der Bierstile" und "Bock auf Bock" an. Der Preis liegt - je nach Art und Anzahl der präsentierten Biere - bei 30 bis 50 Euro pro Person. Auf seine Kundschaft angesprochen antwortet Rosenbaum: "Weintrinker!", und erklärt: "Biertrinker haben meist ihre favorisierte Kölsch- oder Pilsmarke und sind nicht experimentierfreudig. Ganz anders die Weintrinker: Die sind immer auf der Suche nach einem neuen Geschmacks- oder Geruchskick!" Neuerdings würde er aber auch verstärkt von jungen Erwachsenen gebucht: "Am Wochenende bin ich in Köln. Ein paar Freunde schenken mich ihrem Kumpel zum Geburtstag. Vielleicht hätte er sich über eine Stripperin mehr gefreut", lacht der Bier-Experte und fügt - mit etwas Stolz in der Stimme - hinzu: "Und danach muss ich eine Degustation für die Kommilitonen meiner Tochter vorbereiten. Früher fand sie mein Hobby total uncool, doch jetzt hat sie mich gefragt, ob ich nicht mal vorbeikommen könnte, um ihren Freunden ein paar außergewöhnliche Biere zu präsentieren!" Ein eigenes Lieblingsbier hat der Frechener nicht. Das käme ganz auf Jahreszeit und Gemütszustand an. "Aber ich kann Ihnen etwa 200 wirklich hervorragende Biere nennen!", bietet Rosenbaum an. Keine Frage, das könnte er!
 
 
 
Biersommelier Arnd-Axel Rosenbaum - www.biersommelier.info